„Als wir das Kerzenlicht in der Hand hielten, habe ich mir gedacht, Gott sitzt auf meiner Hand und ich würde ihn den Berg hinauftragen!“

Nachtwallfahrt im Zeichen des Reformationsgedenkjahres

Nachtwallfahrt2017Das Jahr 2017 sieht sich ganz dem Jubiläum „500 Jahre Reformation“ verpflichtet. Im Wesentlichen soll das, was die Christen verbindet, im Mittelpunkt der Feierlichkeiten stehen, nämlich der Glaube an die Liebe Gottes, die in seinem Sohn Jesus Christus erschienen ist. Sie gab der diesjährigen Nachtwallfahrt, einer seit langen Jahren gepflegten Tradition, ihr Gerüst.

Als Inspirationsquelle für die in die Dämmerung und Dunkelheit des Tages sich hinein bewegende Wanderung diente der Rhythmus der ersten Worte eines Psalmengedichtes des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch (1925-2005): „Als Christin und Christ kann ich – mit Maria – sagen: Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.“ Und eben in dieser Gesinnung versammelten sich Menschen, unter ihnen erfreulich viele junge Familien, um gemeinsam an blühenden Rapsfeldern im Sonnenschein entlang zu pilgern zur Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Spabrücken. Der dann einsetzende Nieselregen konnte der Stimmung keinen Abbruch tun, weiß man sich doch getragen von dem, in dessen Namen man unterwegs ist. Sowohl in Gutenberg als auch in Wallhausen und Dalberg legte die Pilgergruppe eine Statio ein, um gemeinsam, angeleitet durch Mitglieder des Schulseelsorgekreises, zu meditieren und die Ruhe des Moments zu genießen, eine Oase in dem sonst so hektischen Alltag. Eine besondere Stellung nimmt dabei Dalberg ein. An der dortigen Mariensäule, bereits mit duftenden Maiglöckchen geschmückt, wurden die Kerzen für den letzten Teil des Weges, der in Stille und Andacht zurückgelegt wird, ausgeteilt. „Das half ein wenig gegen die Kälte, die mehr an einen Winter- als an einen Frühlingsabend erinnerte. Die Lichter gaben diesem Abend ihren ganz eigenen Glanz“, hielt Lehrerin Gaby Bopp fest. Der 13-jährige Nils Hartschwager (6b) strahlte: „Als wir das Kerzenlicht in der Hand hielten, habe ich mir gedacht, Gott sitzt auf meiner Hand und ich würde ihn den Berg hinauftragen!“ Sein Vater Kai erklärte: „Die schöne Natur und der gut ausgebaute Weg erleichterten die Wallfahrt und man merkte kaum, wie weit man gelaufen war. Die einzelnen Stationen waren geprägt von sinnlichen Momenten und man konnte vom Alltag abschalten.“ Vor dem Anstieg nach Spabrücken verteilte Edeltrud H. Maus, ehemalige Hauptschulleiterin, noch die traditionellen Schokolädchen an die jüngeren Teilnehmer und solche, die an „Unterzucker“ litten. „Ich finde es jedes Jahr schön, wenn sich Jung und Alt, Lehrer, Schüler sowie Menschen, die sich mit der ADS verbunden fühlen, auf den Weg begeben“, meinte Pädagogin Kerstin Allekotte. „Es ist in der heutigen Zeit ungewöhnlich, 11 Kilometer zu wandern, zu beten und Gottesdienst zu feiern.“ Und ihre Kollegin Rosemarie Bergfort-Striebel ergänzte: „Ich begebe mich auf den Weg, weil ich dieses Gemeinschaftsgefühl genieße. Stets nehme ich hiervon einen Impuls für meinen Glauben, erneuertes Bewusstsein für die Seele und den Körper, Kraft durch das bewusste Wahrnehmen der Schöpfung und die Stärkung zum Abschluss mit anregenden Gesprächen in netter Runde als Belohnung mit!“ Schulpfarrerin Susanne Storck hielt zu Beginn der Eucharistiefeier in der bereits für die Erstkommunion festlich geschmückten Wallfahrtskirche eine kurze Ansprache: „Am Ende stehst du, mein Herr und mein Gott. Weg, Wahrheit und Leben. Darin liegt der tiefe Grund, vergnügt, erlöst und befreit zu sein.“ Eine kleine Stärkung bei Brezeln, Fladenbrot, Käse-Traubenspießen und anderen Leckereien rundete die diesjährige Nachtwallfahrt harmonisch ab.

Schulleiter Günter Graus freute sich: „Die Wallfahrt ist – neben dem sportlichen Aspekt – eine tolle Gemeinschaftserfahrung.“ Pfarrer Dr. Thomas Deutsch konstatierte zufrieden: „Mit jungen Menschen und Familien unterwegs zu sein und ein gemeinsames Ziel zu haben, ist eine herrliche Erfahrung. Und wenn es das Ziel ist, zusammen Eucharistie zu feiern, ist das für mich noch einmal schöner.“