„Die, die aufeinander geschossen haben, wählen heute ein gemeinsames Parlament!“

Julia Klöckner zu Gast an der ADS

Jüngst besuchte Julia Klöckner die Schüler des Sozialkundeleistungskurses (MSS 11) und ihren Lehrer Günter Graus. Konzentriert, zugewandt und offen begegnete sie dabei den Fragen der jungen Leute und bestärkte sie immer wieder darin, sie im positiven Sinne förmlich zu „löchern“.

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Dabei stellte sie sich zunächst einmal selbst vor, indem sie ihren Weg seit der Schule bis zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU skizzierte. Auch erinnerte sie sich dankbar ihres Sozialkundeleistungskurses, „damals eine tolle Entscheidung“, denn hier habe sie das „Argumentieren“ gelernt. Nach ihrem Abitur 1992 führte sie der Wunsch, Gymnasiallehrerin zu werden, an die Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Sie erwarb den Magistra Artium-Abschluss für die Fächer Pädagogik, Theologie und Politikwissenschaft und das Erste Staatsexamen für Katholische Religion und Sozialkunde. Aber auch der Journalismus hatte es Julia Klöckner angetan. Sie arbeitete dann auch als Redakteurin und Chefredakteurin. „Es war nicht direkt mein Ziel, Politikerin zu werden. Es gibt auch keine familiäre Vorbelastung. Ich selbst war eher gesellschaftspolitisch über die Kirchenarbeit aktiv“, hält sie fest. Ein Seminar bei dem Parteienforscher Jürgen W. Falter habe sie dazu geführt, sich näher mit dem Grundsatzprogramm, „dem DNA-Leitbild“, von CDU und PDS zu beschäftigen. Zeitgleich habe sie sich in Theologie mit der christlich-katholischen Soziallehre befasst und sei auf Werte wie Personalität, Subsidiarität und Solidarität gestoßen. Da habe es „Klick!“ gemacht, der Eintritt in die CDU 1997 war beschlossene Sache. „Sind denn Theologie und Politik vereinbar?“, wollten die Jugendlichen wissen. „Während die Theologie einen ethischen Anspruch erhebt, wird Politik oft als ,dreckiges Geschäft` bezeichnet. Aber: Man lebt das Leben mit Haltung!“ Politik bezeichnet Julia Klöckner als „Organisation verschiedener Interessen. Ihr Ausgleich garantiert Akzeptanz. Wir sind Dienstleister.“ Kaum ein Thema wurde in dem zweistündigen gleichermaßen tiefgründigen wie erfrischenden Austausch ausgespart, so redete man über Abtreibung („Wir müssen um jedes Leben kämpfen!“), Integration und Inklusion („Wir müssen junge Menschen individuell betrachten!“), die AfD („Anstand im Umgang muss sein.“), die Wahl in Frankreich („Macron ist Europäer!“), gleichgeschlechtliche Partnerschaften und deren Zugang zur Adoption („Das Kindeswohl ist wichtig!“) und – natürlich – Europa. „Am 9. Mai feiern wir den Geburtstag der EU. Es ist ein Riesengeschenk, Teil eines gemeinsamen Dachs zu sein und Einheit in Vielfalt leben zu dürfen. Die, die aufeinander geschossen haben, wählen heute ein gemeinsames Parlament!“ Julia Klöckner ermutigte die Jugendlichen: „Nehmt euer Wahlrecht in Anspruch! Es geht um euch! Reist, was das Zeug hergibt und schaut über den Tellerrand hinaus!“ Auch auf die Frage nach der Unzufriedenheit so vieler hat die aus sich heraus strahlende Julia Klöckner eine Antwort: „Das Moralisierende geht den Leuten auf den Keks!“