„Lecker essen nicht vergessen!“

Kochbuch für Demenzkranke, Pflegekräfte und Angehörige

Ein Kochbuch mit knapp 50 Gerichten speziell für Menschen, die an Demenz erkrankt sind – wozu benötigt man so etwas?

Ganz einfach: Diese Menschen haben oftmals wenig Appetit und essen daher zu wenig. Gleichzeitig haben sie häufig vergessen, wie die Handhabung von Messer und Gabel funktioniert. Der Energiebedarf jedoch ist gerade bei ihnen hoch, denn ihr Bewegungsdrang ist in vielen Fällen ungebrochen. Was also liegt näher, als ihnen ein kleines Angebot unterschiedlichster Gerichte überall im Haus zu ermöglichen, die sie einfach greifen, mitnehmen und unterwegs verzehren können? Wichtig ist natürlich, dass Demenzerkrankte gerade Hochkalorisches zu sich nehmen – aus der Pfanne, dem Ofen oder auch als lecker zubereiteter Zwischensnack und feines Dessert.

Deshalb gibt es jetzt dieses Buch – basierend auf einem Gemeinschaftsprojekt zwischen 14 Schülern der Oberstufe, Oberstudienrätin Claudia Römer und der Pro Seniore Residenz im Salinental Bad Kreuznach.

UnserKochbuch2017

Doch ist es weitaus mehr als „nur“ ein Kochbuch unter vielen anderen gleichartigen. Es erleichtert insbesondere Pflegekräften und Angehörigen die Arbeit, da es wissenschaftlich unterlegt ist, und enthält viele Leckereien für all diejenigen, die Lust am Essen haben. Gezielte Fingerfood-Rezepte geben einen guten Ein- und Überblick über das, was an zwei Tagen in der Kochschule Johann Lafers in Guldental entstanden ist. Neben Pumpernickel-Frischkäse-Wölkchen, Pizzaschnecken, Filoteig ungarischer Art, Nederlands Hapjes und Schafskäsebrötchen finden sich Espressobuchteln, Himbeer-Tiramisu, Gugelhupfträumchen, Mürbeteig-Taler und Blumenkohlbällchen. Selbst das eine oder andere vegane oder glutenfreie Rezept macht Lust darauf, es nachzukochen. Dass die Farbgebung eine große Rolle spielt, ist klar. Aber auch Gerichte, die die Motorik der Erkrankten anregen und sie aus ihrer eigenen Welt herausholen, sind enthalten. Zudem haben neben Johann Lafer selbst drei weitere Starköche eigene Rezepte eingereicht, so Sarah Wiener, Frank Buchholz und Nelson Müller.

Die offizielle Buchpräsentation fand wenige Tage vor Heiligabend in der Aula der Alfred-Delp-Schule statt. Residenzleiterin Marion Raab hatte es sich nicht nehmen lassen, selbst durch das kurzweilige Programm zu führen, das alle Beteiligten zu Wort kommen ließ und mit den Beiträgen von Alena Back, Emily Sander und Daniela Süß (alle MSS 13) musikalisch verwöhnt wurde. Eines wurde klar: Gerade die Zusammenarbeit zwischen den Generationen, das Mit- und Füreinander von Jung und Alt macht ein solches Projekt derart kostbar. Gespannt sind alle auf die Reaktionen der Menschen, für die dieses Kochbuch in Angriff genommen wurde. Sie sollen nun einmal monatlich ein bestimmtes Gericht selbst zubereiten dürfen, natürlich unter Anleitung der Pflegekräfte und Angehörigen, aber so selbstständig wie irgend möglich.

Wichtig zu verstehen ist, dass Demenzerkrankte ihren ganz eigenen Rhythmus haben. Auch wenn sie sich ein Stück weit „entfernt“ haben, so lassen sie sich doch immer wieder einbinden in das Alltagsleben, das ihren Gesetzmäßigkeiten folgt. Und wenn die Gerichte ihren Geschmack treffen, dann ist eine Intention des Buches erfüllt.

Momentan ist das Kochbuch nur über die Schule – und hier Claudia Römer – oder die Residenz Pro Seniore zu einem Spendenbeitrag von 10 Euro zu beziehen. Der Erlös geht zum einen an die Stiftung Bärenherz in Wiesbaden, zum anderen an den Christlich Ambulanten Hospizdienst in Bad Kreuznach.

Auf http://swrmediathek.de/player.htm?show=bfd9daa0-e03a-11e7-ab55-005056a10824 können weitere Informationen zu diesem Projekt beziehen.