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Alfred-Delp-Tag 2019

"Wähle das Leben"

Gottesdienst zum Alfred-Delp-Tag

AD Tag

Dass die Schulgemeinschaft der Alfred-Delp-Schule stimmungsvolle Gottesdienste zu feiern versteht, die nachwirken und Menschen zu berühren wissen, zeigte sie wieder einmal eindrucksvoll am vergangenen Freitag. An die 1400 junge Menschen, von der fünften bis zur MSS 13, ihre Lehrer und Freunde ihrer Schule kamen in der Turnhalle zusammen, um des 74. Todestages ihres Schulpatrons am 2.2.1945 in Berlin-Plötzensee zu gedenken.

Wegen Hoch- und Landesverrats vom Volksgerichtshof für schuldig erklärt, verlor dieser große Mann und aufrechte Christ niemals seinen Glauben. Noch Anfang Oktober 1944 schrieb er aus dem Gefängnis heraus: „Wie es mir geht? Da ist nicht viel zu sagen. Habt keine Angst. Ich bemühe mich, kein Kleinholz zu machen, auch wenn es an den Galgen gehen sollte. Gottes Kraft geht ja alle Wege mit…“ Der Bibelvers „Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen!“ (Dtn. 30,19), ein „schweres Motto“, war Alfred Delp zeit seines Lebens Richtschnur, selbst in den Stunden vor seinem Tod hielt er daran fest.

Der Vers war es auch, der diesem Gottesdienst seinen Inhalt verlieh, einen Inhalt, dem nicht nur die beiden Schulpfarrer Susanne Storck und Dr. Thomas Deutsch nachspürten, sondern zudem eine Gruppe junger Erwachsener der MSS 12 in einem nachdenklich machenden Anspiel. Fahrzeuge der Marke „Futur FX 30“ sollen ein „Update“ erhalten, ein „Update für Schrottkisten“. Fürs Vierfache sollen sie nach Rumänien verkauft werden, die „Fahrzeugbriefe“ sind „bearbeitet“ worden, „alternative Fakten nennt man das“, meint der skrupellose „Chef“. Doch einer seiner Mitarbeiter steht mutig auf und protestiert: „Das Leben ist hart in Rumänien. Das ist Betrug. Das mach´ ich nicht mit!“ Menschen wie ihn – und Alfred Delp – benötigt die Welt, Menschen, die Haltung beweisen und eine Meinung haben. „Man soll mich vertrauend auf Gott zum Galgen führen. Ich bin bei Gott, weil Gott bei uns ist“, hielt Alfred Delp einst fest.

Pfarrer Tim Sturm, 2005 Abiturient an der Alfred-Delp-Schule und heute Leiter des Handlungsfeldes Berufungspastoral des Bistums Trier, hielt als Gastprediger eine unter die Haut gehende Predigt. „Wähle das Leben! Was ist das überhaupt? Wahl? Leben?“, sprach er die jungen Menschen in seiner offenen Art direkt an, um dann auszuführen: „Zuerst sind wir erwählt. Uns ist das Leben geschenkt. Wir dürfen es gestalten. Freiheit und Verantwortung sind uns übertragen. Das eigentliche Leben spielt sich in unseren Herzen ab. Nur ein so geführtes Leben bringt Glück und Erfüllung!“ Er erinnerte an Alfred Delp, dem das Leben „entrissen, geraubt“ wurde und der doch bis zum Tod für eben dieses Leben gekämpft habe, und an Willi Graf, Mitglied der Widerstandsgruppe Weiße Rose und im Oktober 1943 enthauptet, der einmal sagte: „Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung! Dazu braucht´s Kraft, Mut und Entschlossenheit. Ich wähle das Leben!“ Tim Sturm erzählte vom gerade vergangenen Weltjugendtag in Panama und vielen Begegnungen. Eine aber ist ihm besonders im Gedächtnis geblieben, die nämlich mit einem ungetauften jungen Mann, der sich als „Volunteer“ aktiv einbrachte und am Ende aufgrund der vielen Gespräche, Erlebnisse und Impressionen völlig durcheinander zeigte. „Mein äußeres Leben muss mit meinem inneren zusammenpassen“, begriff er, ein Satz, den Tim Sturm eigens heraushob, ein Satz, den viele der jungen Leute mitnahmen auch in ihren Alltag.

Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von der Chorklasse und dem Orientierungsstufenchor der Jahrgangsstufen 5 und 6 unter der Leitung von Michael Faus und Martin Müller sowie dem Lehrerinstrumentalensemble mit Nora Hillen, Kathrin Proske und Susanne Schnörr.

AlfredDelpTag2019

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