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Verabschiedung Schulleiter

Interview zur Verabschiedung unseres Gesamtschulleiters Günter Graus

Verabschiedung G Graus 1272021Nach nunmehr 31 Jahren als Mitglied des Kollegiums der Alfred-Delp-Schule und acht Jahren an der Spitze der Einrichtung wurde Günter Graus vor wenigen Tagen in den Ruhestand entlassen. Nach diesen drei Jahrzehnten, in denen er immer wieder neue Funktionen an seiner pädagogischen „Heimstätte“ einnahm und ausübte, heißt es nun, Abschied zu nehmen von einem Beruf, der ihm Berufung war. Grund genug, Günter Graus abschließend einige Fragen zu stellen.

Warum wurdest du trotz eines vierjährigen Jurastudiums doch Lehrer?

Nun, im Saarland, aus dem ich stamme, gab es zu jener Zeit keine Lehrerstellen. Meine Mutter warnte mich vor dem Pädagogikstudium und meinte: „Mach‘ Jura!“ Mit meiner damaligen Freundin, die gebürtige Österreicherin war, ging ich nach Innsbruck, wo sie Medizin studieren wollte. Die Beziehung ging auseinander und ich zurück in meine Heimat, wo ich das Studium der Fächer Englisch und Sozialkunde aufnahm. Sozialkunde wählte ich nicht allein aus Interesse, sondern auch, weil ich somit zwei Scheine aus meinem Jurastudium anerkannt bekam. Ich bin Pragmatiker, das passt nicht zu Jura.

1990 bot man mir dann an der Hargesheimer Alfred-Delp-Schule eine Stelle an. Schon drei Jahre später bat man mich, den Wahlvorsitz bei den Wahlen der Mitarbeitervertretung zu übernehmen. Meine Erklärungen des Wahlprozesses müssen derart erheiternd gewesen sein, dass ich schon drei Monate später an der Spitze der damaligen Mitarbeitervertretung stand. 1998 wurde ich zum Oberstufenleiter und 2003 zum stellvertretenden Gymnasialleiter ernannt. Zu diesem Zeitpunkt waren unsere drei Töchter noch ziemlich klein, ein Grund mehr, die Gesamtleitung nicht übernehmen zu wollen. 2013 war es dann aber doch soweit.

Was waren die prägendsten Veränderungen in all den Jahren?

Die größte Herausforderung war die Umstellung der Zweige Haupt- und Realschule zur Realschule plus. Es gab u. a. keine Hauptschullehrkräfte mehr, wir mussten etwas tun. Aber, solche Dinge können nicht von heute auf morgen umgestellt werden. Das Kollegium will mitgenommen werden.

Was muss Schule deiner Meinung nach leisten?

Schule muss Schulgemeinschaft sein! Prägend für mich war immer dieses biblische Gebot: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ Respekt und Vertrauen sind grundlegende Pfeiler unseres Miteinanders. Sprache ist verräterisch. Ich selbst habe niemals von „meiner“ Schule gesprochen. Es ist unsere Schule, das bedeutet natürlich auch, alle tragen gemeinsam die Verantwortung für diese Einrichtung.

Wohin muss ihre Veränderung gehen?

Wir müssen vorsichtig sein und sollten dem digitalen Hype nicht erliegen. Er bedeutet u. U. den Verlust sozialer Kontakte. Dass die Medien wichtig sind, steht außer Frage. Sie sinnvoll zu nutzen, muss den Kindern beigebracht und den Eltern vermittelt werden. Kinder brauchen aber, wie eh und je, erst einmal Grundfertigkeiten wie Schreiben, Lesen und Rechnen.

Worauf freust du dich nun so kurz vor dem Eintritt in den Ruhestand am meisten?

Dass ich dann einen Tag vor mir habe, an dem ich nicht sagen muss: „Ich muss…!“ Ich darf mir meine Zeit frei einteilen, darauf freue ich mich.

Neuer Schulleiter an der ADS wird Dirk Johann, der derzeit Leiter des Arbeitsbereiches „Kirchliche Schulen“ im Bischöflichen Generalvikariat in Trier ist. Zuvor leitete er elf Jahre die Koblenzer Realschule plus mit Fachoberschule in Trägerschaft des Bistums.

Autorin: Claudia Römer

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